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Lebensgeschichte meiner Mutter

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Johanna Donner geb. Beyer Geboren 18.9.1909 in Gottscheina bei Leipzig.
Geschwister Arthur Beyer (geb.1.8.1899 !! gest. 25.8.1990 mit 91 Jahren), Walter Beyer, Bringfriede Schwarze geb. Beyer (geb. 17. Aug. 1915) - genannt Friedel, sie war das jüngste Kind. Johanna wurde 10 Jahre nach Arthur, dem ältesten Kind, geboren, sie war das zweitjüngsten Kind.
7. Nov. 1935 Heirat 26 jährig mit dem
Nachbarsohn Alfred Donner, dessen Vater beim Scheunenneubau tödlich verunglückt war und der 1 Jahr zuvor den Bauernhof seines Vaters
übernommen hatte.
6. Nov. 1936
1. Mai 1939
7. Jan. 1942
22. März 1943
Geburt des 1. Kindes Siegmar Donner
Geburt des 2. Kindes Gerlinde Donner
Geburt des 3. Kindes Ingrid Donner
Geburt des 4. Kindes Hella Donner
April 1945 Ihr Mann Alfred Donner wird durch die amerikanische Besatzungsmacht gefangen genommen und in Stuttgart
interniert bis 11.6.1948
Enteignung mit allem Inventar An ihrem Geburtstage am 18. 9.1945 wird meine Mutter mit uns 4 Kindern vom eigenen Bauernhof durch die sowjetische Besatzungsmacht im Zuge der so genannten Bodenreform der Sowjetzone vertrieben. Sie durfte nur das lebensnotwendigste mitnehmen. Alles andere Inventar musste zurückgelassen werden. Ein Herr Bauer aus dem Nachbarort Merkwitz begleitete die sowjetischen Besatzungsleute.
Unterkunft Eine Bleibe erhielt sie mit ihren 4 Kindern gleich nebenan im Nachbarhof bei ihrem Bruder Arthur Beyer.
Verstecken Etwas später rieten ihr Freunde, sich mit ihren Kindern für einige Wochen aus dem Dorf Gottscheina zu entfernen, um weiteren möglichen Zugriffen zu entgehen. Sie fand bei den weitläufig verwandten Kandler's in Grimma, einem weiter entfernten Dorf, Unterschlupf. Die älteren Kinder konnten während dieser Zeit nicht in die Schule gehen. Danach ging es wieder nach Gottscheina zurück.
Besuch ihres Mannes in Stuttgart 2 mal besuchte sie ihren Mann Alfred Donner in Stuttgart, der dort in amerikanischer Gefangenschaft war. Einmal nahm sie ihren Sohn Siegmar mit. Damals konnte man noch ungehindert über die Grenze zwischen sowjetischer und amerikanischer Zone reisen.
11.6.1948 Ihr Mann wird aus amerikanischer Gefangenschaft entlassen. In die Heimat zurück kann er nicht, da die Gefahr besteht, dass er gleich wieder von den Sowjets gefangen genommen wird. Er sucht sich bei Stuttgart, in Murrhardt, eine Arbeitsstelle und Wohnung.
September 1949 Meine Mutter entschloss sich mit ihren 4 Kindern in den Westen zu Ihrem Mann zu flüchten. Ein flüchten war jetzt notwendig, denn die Grenzen waren geschlossen und konnten nur noch heimlich überschritten werden.
Flucht Wir 4 Kinder wurden
mit Betten und Kleidern bepackt von unserem weitläufigen Onkel Kurt Perschmann aus Leipzig mit dem PKW noch halb "offiziell" über die Grenze nach Murrhardt gebracht. Unsere Mutter musste kurz vor der Grenze aus dem Auto aussteigen und "schwarz" bei Nacht über die Grenze laufen. Auf der anderen Seite war ein Treffpunkt ausgemacht. Die Mutter kam jedoch nicht. Der Onkel und wir Kinder übernachteten bei Bekannten unseres Onkels. Die Mutter kam immer noch nicht. Unser Onkel fuhr dann Richtung Murrhardt los, dazwischen noch einige Geschäfte erledigend. Am 18.9.1949, wiederum am Geburtstag meiner Mutter, trafen wir in Murrhardt ein. Unsere Mutter war schon da und empfing uns freudestrahlend mit unserem Vater. Bei ihrem 1. Versuch die Grenze zu überschreiten wurde die ganze Gruppe entdeckt und wieder zurück geschickt. Der Versuch der Grenzüberschreitung in der 2. Nacht glückte dann. Da unser Onkel mit uns Kindern schon weg war, wie es offenbar ausgemacht war, bestieg sie den Zug und fuhr nach Murrhardt.
1949 bis 1953 Wohnung Murrhardt Eulenhöfle 8 bei Fam. Becker, wo ihr Mann bis 1950 / 51 die dortige kleine Landwirtschaft versorgte. Fam. Becker betrieb eine Etiketten-Produktion (für Gärtnereien u. dgl.), von der viele Unterarbeiten in Heimarbeit vergeben wurden. Meine Mutter versah mit uns Kindern Tausende von Etiketten mit den Drahtanhängern in Heimarbeit  ( Etiketten fädeln) - eine lohnende Nebenbeschäftigung für etwas Taschengeld. Wir entwickelten dabei eine flinke Fingerfertigkeit.
1953 Umzug direkt in die Stadt Murrhardt, in die Kaiser Ludwigstr.
Weitere Heimarbeit Kurz vorher begann meine Mutter eine neue Heimarbeit, und zwar das Ausfüttern von Pelzmänteln, die in der Murrhardter Pelzveredelung hergestellt wurden. Mit dem Fahrrad holte sie neue Arbeit und lieferte die erledigte wieder ab.
1962 Die Kinder wurden größer und zogen langsam aus. Hochzeit der Tochter Gerlinde mit Manfred Drechsel, sie zogen nach Sulzbach Murr.
1965 Hochzeit von Sohn Siegmar Donner mit Erika Kirsch, sie zogen nach Asperg bei Ludwigsburg. Wobei Siegmar schon seit seiner Lehrzeit 1951 nicht mehr Zuhause wohnte, sondern nur noch regelmäßiger "Besucher" war.
1966 Heirat der jüngsten Tochter Hella mit Gerhard Quis
ca. 1966 Umzug in das eigene Haus in Murrhardt, Schweriner Weg 6
1963 Wurde Johanna Donner zum 1. Male Oma, Achim Drechsel wurde als 1. Sohn ihrer ältesten Tochter Gerlinde geboren. Danach "purzelten" die Enkelkinder der Reihe nach auf die Erde.
- 6 Enkel kamen insgesamt -
Achim Drechsel   -   Daniel Drechsel   -   Beate Drechsel
Jörg Quis
Jürgen Donner   -   Rainer Donner
Eine ganz liebe Oma Ab jetzt wurde unsere Mutter fast nur noch "Oma" genannt. Sie war eine 1a-Oma. Sie verwöhnte alle Enkel, aber nicht zu stark, liebte alle gleichermaßen, hütete sie immer wenn es nötig war, spielte sich aber nie als die Erzieherin auf. Bald wurde auch die Oma von allen geliebt - und das blieb auch so bis zu ihrem Tode.
1978 Am 5. März verstarb ihr Mann 69-jährig, nach einem ca. 1-jährigen Nierenkrebsleiden. Die Krankheit kam vollkommen unerwartet nur wenige Jahre nach seinem Renteneintritt. Hat evtl. der jahrelange Umgang mit Gerb- und Druckchemikalien als Rauchwarendrucker in der Pelzveredelung darauf mit einen Einfluss gehabt?
1989
 80.  Geburtstag
Oma feiert ihren 80. Geburtstag. Das erste Mal organisieren wir ein spezielles Geburtstagsfest mit allen Kindern, deren Ehepartnern und natürlich alle Enkeln. Wir mieteten uns über Samstag / Sonntag in einem schönen Hotel ein, gönnten uns ein ausgewähltes Schlemmer-Abendessen und ließen uns auch sonst verwöhnen. Der erste Geburtstagstreff fand im  Hotelzentrum Reutmühle in Waldkirch bei Passau im Bayrischen Wald statt. Gudrun und Werner Biedermann aus Mutschlena bei Leipzig (damals noch DDR) waren auch mit eingeladen und anwesend. Sie bekamen für Familiengeburtstage eine Reisegenehmigung, mussten aber ohne Kinder Reisen. Ebenfalls dabei waren auch Siegfried Schwarze aus Mutschlena, sowie Herbert Wilke und Alice Jost aus Ochelmitz bzw. Wölpern.
Zentraler Punkt der ganzen Sippe Die Oma wurde so ganz von selbst die zentrale Anlaufstelle für alle Familienmitglieder. Sie hatte immer ein offenes Ohr und wusste auch immer zu trösten. Wer Rat brauchte, bekam ihn. Oma ging immer mit der Zeit mit, sie hatte oft modernere Ansichten wie ihre Kinder. Sie blieb, wahrscheinlich durch den intensiven Umgang mit ihren Enkeln, immer "jung" in ihrer ganzen Einstellung und Anschauung.
1992 Oma wird Ur-Oma Am 25.11 1992 wird Christian Drechsel, Sohn von Achim und Sandra Drechsel, geboren und damit hat unsere Oma ihren 1. Urenkel. Zwei Jahre später erblickt Amelie Drechsel am 10.6.1994 das Licht der Welt als 2. Urenkelin.
Die Enkel machten Druck Die 1. auswärts in einem schönen Hotel abgehaltene Geburtstagsfeier für unsere Oma gefiel vor allem ihren Ekeln so gut, dass sie anregten, dies jedes Jahr, wenn irgend möglich, zu wiederholen. Das Übernachten zahlte jeder selbst und für den "Schlemmerabend" fand sich immer ein Spender, manchmal auch die Oma selbst.

81. Geburtstag 1990: Daheim gefeiert.
82. Geburtstag 1991: Daheim gefeiert.
83. Geburtstag 1992: Hotel Steigenberger Sonnenhof in Grafenau im Bayrischen Wald.
84. Geburtstag 1993: Waldhotel Grüner Baum in Oberkirch-Ötzbach bei Offenburg / Schwarzwald
85. Geburtstag 1994: In der Welser-Kuche in Augsburg, übernachtet wurde im Altstadthotel Ulrich.
86. Geburtstag 1995: Kapfenhardter Mühle, Mönch's Waldhotel in Unterreichenbach bei Pforzheim.
87. Geburtstag 1996: Oma wollte nicht mehr gern verreisen und so wurde hier wieder daheim gefeiert.

Gestorben mit
ca. 88 1/2 Jahren
23. Februar 1998.
Unsere Oma war geistig fit und immer auf der Höhe der Zeit. Sie war auch körperlich noch ganz in Ordnung und hat alle Hausarbeiten bis zuletzt erledigt, nur klagte sie ab und zu über zu wenig Luft, die ihr das Laufen und Treppensteigen schwer machten. Dann war sie einmal "nur"  erkältet und der Hals stark verschleimt. Sie wagte sich nicht mehr ins Bett zum Schlafen, sondern schlief sitzend im Wohnzimmer im Sessel. Als es nicht besser wurde, kam Sie ins Krankenhaus nach Backnang. Dort verstarb sie "ruhig und zufrieden" in der gleichen Nacht. Zuvor hatte sie immer wieder einmal geäußert, dass sie eigentlich keine große Lust mehr zum Leben habe, da niemand aus ihrer Generation mehr da war. Wir, ihre Kinder und Enkel, wollten das nie richtig akzeptieren, doch jeder hat einmal das Recht, auszuscheiden - unsere Oma hat dies hier offensichtlich getan ...

... wir werden die Gedanken an sie immer wach halten!

 

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