Berufsgeschichte bei Kleindienst Datentechnik in Augsburg

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Zwei komplette Bearbeitungssysteme für Zahlungsverkehrsbelege von Kleindienst Datentechnik

 

Eine Aufzeichnung der Kleindienst Werbeabteilung vom 15.3.1977

1970 Als Herr Donner mit dem Aufbau des Produktbereiches Datentechnik begann, besagte eine Marktstudie (Fischer/Esslingen), dass es im Bereich Ticketleser eine Marktlücke gäbe. Eigene Marktforschungen des  Herrn Donner widerlegten diese Vorhersage insofern, als Herr Donner eine Marktlücke im Bereich Dokumentenleser (eine Zeile OCR-Schrift plus Strichmarkierungen) feststellte.

Diese "Kleindienst Marktforschung" hat außerdem zu der Erkenntnis geführt, dass der geplante Dokumentleser unbedingt Anschlussmöglichkeiten für ein Bandgerät bzw. einen Rechner haben müsste.

Im Herbst 1970 wurde mit der Entwicklung des Dokumentlesers DL 1000 begonnen. Das damalige Konzept sah bereits eine Basismaschine vor, die in einem späteren Entwicklungsstadium durch Module erweitert werden sollte.

Personal Ende 1970: 4 Mitarbeiter
( 1 Mechanikkonstrukteur, 2 Versuchsmechaniker, 1 Elektromechaniker)

1971 Bei der weltweiten Suche nach einem geeigneten Leser stieß man 1971 auf den Plessy-Leser (England).

Parallel zur Entwicklung der internen Elektronik des DL 1000 wurde im selben Jahr mit der Entwicklung eines eigenen Strichmarkierungslesers begonnen, da auf dem Weltmarkt kein brauchbarer OEM-Strichmarkierungsleser zu bekommen war.

Gegen Ende des Jahres 1971 gab es bereits 4 Arbeitsgruppen:

1. Elektronik Entwicklung
2. Elektronik Labor
3. Mechanische Konstruktion
4. Versuch
(der Versuch wurde dazu mit einem kompletten Satz feinmechanischer Maschinen ausgerüstet).

Einstellungen 1.7.71: 1 Elektronikingenieur, 1 Elektroniker.
1.10.71: 1 Mechanikkonstrukteur, 1 Mechanikermeister.

Ende 1971 wurden die ersten brauchbaren Leseergebnisse mit dem DL 1000 (Plessy-Leser) erzielt.

1972 Nach den erste erfolgreichen Leseversuchen mit dem Plessy-Leser kam der erste große Rückschlag. Plessy konnte auf Grund eines Exclusiv-Vertrages mit Nixdorf keine Leser mehr an Kleindienst liefern.

Bei der damaligen weltweiten Suche stieß man auf CDC. CDC hatte bis dahin überhaupt nicht OEM-mässig verkauft, sondern ihre Laser-Leser in eigene Maschinen eingebaut.

Nach langwierigen Verhandlungen konnte Kleindienst drei dieser Leseköpfe bestellen, musste sich aber verpflichten, innerhalb der nächsten zwei Jahre weitere 25 Laser-Leser abzunehmen.

Heute im Jahr 1977 ist Kleindienst der größte Abnehmer von Laser-Lesern bei CDC (bisher wurden insgesamt 119 dieser Leseköpfe von CDC bezogen; unser Jahresbedarf liegt bei ca. 40).

Die Umstellung des DL 1000 vom Plessy-Leser auf den CDC-Leser hat Kleindienst um ein Halbes bis dreiviertel Jahr zurückgeworfen.

Nach dem missglücktem Versuch, den DL 1000 als OEM-Produkt z.B. an Nixdorf oder Telefunken zu verkaufen, entschloss man sich, einen eigenen Vertrieb Datentechnik aufzubauen. Am 1.12.1972 übernahm Herr Schielke den Vertrieb Datentechnik.

Personal: Ende 1972 wurden die Arbeitsgruppen zu Abteilungen ernannt - 12 Mitarbeiter.

1973 In diesem Jahr wurden die ersten Dokumentleser bereits einem Dauertest unterzogen. Versuchsinstallationen waren zwar geplant, wurden aber nie realisiert.

 1973 wurde die Lesegeschwindigkeit des DL 1000 von 1 m/sec auf 2,5 m/sec erhöht. Außerdem die im ursprünglichen Konzept geplante Erweiterung durch Module (12 Ablagefächer) verwirklicht. Im November dieses Jahres wurde der Kleindienst DL 1000 anlässlich einer Pressekonferenz im Holiday Inn in Augsburg einer breiten Öffentlichkeit vorgestellt. Auf der Systems 1973 (Ende November) wurde den Fachleuten neben der Basismaschine bereits ein Sortierer präsentiert.

Personal: wie 1972.

1974 Am 6.2.1974 wurde der erste DL 1000 bei SEL in Pforzheim installiert (mit OCR-A, OCR-B und Bandanschluss).

Ab 1974 hatte Kleindienst eine eigene Elektronikfertigung, die heute (Stand 1977) nicht nur für den Bereich Datentechnik, sondern auch für die Bereiche Wäscherei und Autowasch tätig ist. Auf Grund der Elektronikfertigung sind wir heute (Stand 1977) in der Lage, Wäschereimaschinen mit eigener Elektroniksteuerung zu bauen.

1975 Im März 1975 wurde das erste Kleindienst Bankensystem an die Dresdner Bank in München ausgeliefert. Damals allerdings noch mit Plotter-Bandgerät (800 bpi) und Plotter-Schnelldrucker. Der zweite große Niederschlag kam kurz nach der ersten Installation unseres Bankensystems, als Plotter Konkurs anmeldete.

Die Suche nach einem neuen Bandgerät und Drucker und die Umstellung hat uns wieder ein halbes Jahr gekostet.

Im November 1975 wurde dann das erste Bankensystem mit CDC-Bandgerät und CDC-Drucker an die Dresdner Bank Wiesbaden ausgeliefert. Aber auch hier gab es anfangs größere Schwierigkeiten, da sich das CDC-Bandgerät nicht mit dem Krupp-Atlas-Rechner (Speicher) "vertragen" wollte.

1976 Ab Januar waren auch diese Schwierigkeiten beseitigt und die volle Lieferfähigkeit hergestellt. 1976 wurden 30 Kleindienst Beleglese-Systeme DL 1000 ausgeliefert.
1977 Im Februar 1977 wurden die ersten erfolgreichen Leseversuche mit CMC-7-Leser im Labor durchgeführt.

Personal: In der Entwicklung, im Prüffeld, in der Konstruktion und der Endmontage sind z. Zt. 30 Mitarbeiter beschäftigt.

Ende der Aufzeichnung der Werbeabteilung Es folgen eigene Ergänzungen.
Microbel-Software- Pakete
+
Controller- Systeme CS300 u. CS3000
Für die Bankenapplikationen reichte es bald nicht mehr aus, nur "einfache" Bandaufzeichnungen mit allen möglichen Plausibilitätsprüfungen und numerischer Sortierung der Belege durchzuführen.

Kleindienst Datentechnik entwickelte eigene Banken-Softwarepakete, die komplette Banken- und Sparkassen-Tagesabschlüsse produziert, die Daten auf Plattensystemen speichert und Datenübertragungen zum Bankenrechnersystem per Datenaustausch über Magnetbänder und später auch über direkte Leitungsverbindung erlaubt.

Produktpalette Die Produktpalette wurde ständig erweitert.

Ein kleiner Bruder DL 100 für geringere Durchsätze und geringeren Beleganfall wurde entwickelt und produziert. Der Einsatz erfolgte bei kleineren Kreditinstituten.

Der DL 10 setzte die Kette nach unten fort. Es war ein Tischgerät für die Lesung von Belegen oder als Page-Reader für Seiten bis max. Beleggröße
DIN-A4. Ausgerüstet mit OCR-Leseeinrichtung und Strichmarkierungslung.

CDC gab schließlich die Weiterentwicklung und Produktion ihrer Laser-Leser auf. Durch mehrere Verhandlungen mit dem Head-Quarter von CDC in Minneapolis (USA), konnte Kleindienst die Lizenzrechte für die Weiterentwicklung und den Eigenbau der Laser-Leser erwerben. Neben den entsprechenden Unterlagen holten wir uns auch das erforderliche Know-how von der Entwicklungs- und Fertigungsgruppe in Philadelphia bei Washington.

Fortan wurden die Laser-Leser in Augsburg gefertigt.

Mikroverfilmung, Video- Sichtstation, Codierer Eine Mikroverfilmungsstation wurde in die Belegsysteme integriert und ebenso eine Video-Sichtstation für Online-Korrekturen.

Eine eigene Produktpalette Belegcodierer wurde entwickelt und der erste Prototyp CD01 in 1980 vorgestellt.

1979 Der Umsatz der Datentechnik betrug in diesem Jahr bereits ca. 17 Mio. DM !

Der  Umsatz der gesamten Firma Kleindienst lag zu diesem Zeitpunkt bei 117,5 Mio. DM, beschäftigt waren insgesamt 923 Mitarbeiter bei der Firma Kleindienst

1980 Ende des Jahres gab ich die Technische Leitung Datentechnik ab und übernahm die Betriebsleitung für den Gesamtbetrieb der Firma Kleindienst mit den Produktbereichen

 - Autowaschtechnik
- Wäschereitechnik
- Aufzugsbau
- Lagertechnik und
- Datentechnik

1985 Kleindienst feiert sein 100 jähriges Bestehen.

Der Umsatz lag 1984 bei 160 Mio. DM. Der Bereich Datentechnik rückte mit 22% des Umsatzes nach Autowasch mit 45% bereits an die 2. Stelle. Es folgen Aufzugsbau mit 19, Wäschereitechnik mit 11% und dann Lagertechnik.

Am 1. November gliedern die Gesellschafter Dr. Wöhrl und Dr. Heberle den Produktbereich Datentechnik aus der Maschinenfabrik aus und gründen die Kleindienst-Datentechnik GmbH.

Zum 100 jährigen Bestehen schreibt die Presse: Die Datentechnik zählt zu den erfolgreichsten Produktgebieten. Keine 10 Jahre nach der Premiere des ersten Beleglesers 1973 hat Kleindienst vor allem bei Banken eine führende Stellung als leistungsfähiger Spezialist für Datenerfassung. In vielen Geldinstituten sind heute komplette EDV-Systeme von Kleindienst zur Belegverarbeitung eingesetzt.

1990 Verkaufen die beiden Inhaber, Familie Heberle (Februar) und Wöhrl (Mai) ihren Besitz an die Palamos Vermögensgesellschaft mbH, die zur Schroders-Gruppe London gehört.
1993 Kleindienst Datentechnik GmbH zieht auf ein gemietetes Firmengelände im Augsburger Vorort Lechhausen um.
Der Umsatz lag in den 90er Jahren zwischen 70 und 110 Mio. DM !
1999 Kleindienst Datentechnik geht an die Börse.
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DL100 mit 13 Ablagefächern

 


Pressekonferenz 1973

 


DL 1000

 

Zwei komplette Bearbeitungssysteme für Schecks, Überweisungen u. andere Zahlungsverkehrssysteme von Kleindienst Datentechnik.
Keine 10 Jahre brauchte Kleindienst, um der größte Produzent von Autowaschanlagen in ganz Europa zu werden.
Noch schneller ging es, aus dem Nichts heraus eine starke Position in der Datentechnik zu sichern. Den höchsten Umsatzanteil haben bei uns heute Produkte, die es vor 20 Jahren gerade erst oder noch gar nicht gab. Elektronik steht gleichberechtigt vor traditioneller Technik. Maschinenbau neben Projektierung -. und alle Bereiche haben ein Ziel: Nutzen für viele zu produzieren. So bleibt ein Unternehmen jung.

 


DL 100 mit 39 Ablagefächern

 


DL 10

1882: Auszug aus einer Kleindienst-Zeitschrift

Pionierleistung bei der Datentechnik
EDV-System nach Maß zu attraktiven Preisen

Mut hat auch der kleine Muck: so hätte man respektlos sagen können, als die Entscheidung zur Entwicklung von EDV-Systemen fiel. Die Maschinenfabrik Kleindienst, Spezialist für Mechanik, begab sich auf dünnes Eis und trat gegen vielfach größere Goliaths an. Im Nachhinein steht fest, dass es damals keine andere Entscheidung geben durfte. Technischer Vorsprung konnte nur einer bewahren, der auch neueste Technologie beherrscht. Heute beeinflusst die Elektronik alle Produktbereiche - und Kleindienst hat eine führende Stellung auf dem Gebiet modernster Datentechnik errungen.

Der Weg dahin war gepflastert mit Schwierigkeiten. Anfangserfolge durch überzeugende Produkteigenschaften drohten wie Wasser aus den Händen zu laufen, weil das gute Gerät ohne passende Systeme nur die Hälfte Wert war. Ein neuer, unbekannter Markt forderte Lehrgeld. Drei Jahre nach der EDV-Premiere schilderte Geschäftsführer Dr. Wöhrl diese Situation.

"Die Wunschvorstellung vom einfach lieferbaren 'Stand-alone-Gerät' ließ sich nicht verwirklichen, erst mit der Problemlösung für den Kunden sind neue Absatzmöglichkeiten zu erschließen. Unser Belegleser entsprach zwar von Anfang an den Forderungen des Marktes durch sein günstiges Preis-/Leistungsverhältnis, doch die Praxis zeigte schnell, dass Lesen allein selten reicht. Der Kunde braucht ein ganzes System - umfangreiche Hardware, vermehrte Software, fertige Programme."