Von Gottscheina

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Abschrift der Originalaufzeichnung meines Onkels Arthur Beyer (1.8.1899 - 25.8.1990)
Gottscheina ist der Geburtsort von den ersten aufgeführten 4 Generationen Donners

Alte Postkartenansicht von Gottscheina

Von Gottscheina

1969 geschrieben und bei der Kirchturmerneuerung in die grosse Kugel an der Wetterfahne gelegt.

Das Urdorf Gottscheina ist das Unterende mit Deich und Kirche, welches wahrscheinlich von Sorben angelegt wurde, welche später vertrieben worden. Das Oberende ist erst nach dem dreissigjährigen Krieg angelegt wurden. Die Neblitzer Bauern, deren Dorf Neblitz zwischen Gottscheina und Hohenheida links lag und im dreissigjährigem Krieg zerstört wurde, haben sich in Gottscheina angesiedelt. Um das ganze Dorf wurde eine Lehmmauer gezogen. In Nr.6 ist die Lehmmauer 1933-1936 von dem derzeitigen Besitzer Gustav Beyer nochmals wieder gewellert worden aus Lehm mit Stroh.

Nach der Jahrhundertwende haben wir zwei Weltkriege gehabt 1914-1918 und 1939-1945. Im ersten Kriege blieb unsere Heimat vor schweren Schäden noch verschont, aber der Hunger zwang uns 1918 auf die Knie. Im zweiten Krieg infolge der Entwicklung des Flugwesens wurden unsere Großstädte fast in Schutt und Asche gelegt. Am 4.12.1943 wurde Leipzig von amerikanischen Flugzeugen bombardiert. 1500 Tonnen Sprengstoff wurden auf Leipzig abgeworfen. Ganze Stadtteile lagen in Schutt und Asche. 1717 Tote waren zu beklagen. Am 13.2.1945 wurde Dresden das erste Mal bombardiert. Drei Angriffe gab es auf Dresden mit je 500 Maschinen. Die schöne Elbestadt war fast vernichtet. 3500 Menschen mussten hier sterben. Auch nahe unserem Ort hatte ein Flugzeug kurz vor Kriegsende seine Bombenlast abgeworfen. Am Merkwitzer Weg war eine Flaggstellung bis kurz vor Kriegsende.

Vor dem ersten Weltkrieg konnten wir alle Tage ein Zeppelinluftschiff fliegen sehen, welches seine grosse Halle in Seehausen auf dem Flugplatz hatte. Juni 1909 flogen die ersten Flugzeuge, 3 Stück, von Lindenthal von Leipzig bis Eilenburg, ca. 30 km. An Pfingsten 1909 kam das erste Zeppelinluftschiff.

In Gottscheina sind 14 Bauerngüter, welche bis 1952 selbständig waren. Von Gut Nr. 11 wurden von den 50 ha nach 1922 zirka 20 ha verkauft an verschiedene andere Güter, so dass dann fast alle Bauern über 23 ha hatten und jeder hatte 4 Zugpferde. Die ersten Zugmaschinen ein 20 und 25 PS Lanz-Bulldog kamen 1940 ins Dorf. In Gottscheina wurde fleissig Pferdezucht betrieben. An fremden Arbeitskräften hatte jeder Besitzer 3-4 ledige Arbeitskräfte. Im Jahre 1940 waren folgende Besitzer auf den Bauernhöfen:

  • Nr. 1      Otto Wilhelm

  • Nr. 2      Helmut Schmidt - gestorben

  • Nr. 3      Arno Schmidt

  • Nr. 4      Arthur Hermann (Walter) - gestorben

  • Nr. 5      Johanna Schwarze

  • Nr. 6      Arthur Beyer

  • Nr. 7      Alfred Donner

  • Nr. 9      Armin Kander

  • Nr. 10    Erhard Rohr

  • Nr. 11    Gotthold Kapitsch

  • Nr. 12    Walter Graul

  • Nr. 13    Albin Kitzing

  • Nr. 14    Ida Eckardt

  • Nr. 21    Martin Winter

Das Gut Winter hatte bis 1928 eine Windmühle. Eine Ölmühle soll im Gut Nr. 4 gestanden haben. Nach dem 1. Weltkriege sind die Felder vom Liemehnaer Weg bis Pönitzer Weg durch Handarbeit dräniert worden. 1967 sind mit einer Dränageraupe vom Krostitzer Flur bis Strassenbiegung nach Gottscheina beiderseits der Strasse alle Felder dräniert worden.

1912 erhielt Gottscheina Elektrizität. Als der Krieg 1945 zu Ende war kamen zu uns zuerst die Amerikaner. Viele Flüchtlinge waren hier zugezogen, von denen mehrere hier blieben. Dann gingen die Amerikaner und die Russen kamen. Die Arbeitnehmer kamen an die Macht. Alle Grossbetriebe wurden enteignet und zu Volkseigentum gemacht. Aus manchen wurden Neubauerstellen zu 8 - 10 ha für Flüchtlinge und Landarbeiter gemacht.

Von 1952 an wurden landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften gegründet. Alle schwachen Betriebe schlossen sich freiwillig zusammen, andere blieben auch selbständig bis dann 1960 zum Zwang wurde. Es gab die Wahl zwischen Typ 1 und Typ 3. Bei Typ 1 blieb das Vieh noch Eigentum. Nur die Felder wurden zusammengelegt. Es gab viele Schwierigkeiten. Bei Typ 3 ging auch Vieh in genossenschaftliches Eigentum über. Für das Vieh und alle brauchbaren Geräte wurde Entschädigung gezahlt abzüglich 500 Mark pro ha Inventarbeitrag.

Nach dem Kriege blieben die Ablieferungsverpflichtungen für alle Produkte noch bestehen. Es wurden aber auch grosse Unterschiede bei der Ablieferung je ha gemacht. Zum Beispiel

  • bis     10 ha nur 10 dz

  • bis     15 ha = 14 dz

  • bis     20 ha = 18 dz

  • über   20 ha = 26 dz

Ebenso war es beim Schlachtvieh. Die Preise für alle Pflichtablieferungen waren ausserdem viel niedriger als für Waren, die man frei verkaufen konnte, wenn man sein Ablieferungssoll erfüllt hatte.

Zu erwähnen sind noch für Gottscheina: 1903 brannte in Nr. 11 Scheune und Stall durch Selbstentzündung ab. 1914 wurde durch Brandstiftung die Scheune in Nr. 10 vernichtet. Ebenfalls fielen 1949 die Scheunen in Nr. 6 und Nr. 1 durch Selbstentzündung bei dieser grossen Hitze während des Dreschens von Getreide einem Brand zum Opfer. Die neue Motorspritze leistete hier gute Dienste. Der Dorfteich wurde 1968 entschlämmt und die Ufermauern mit Granitplatten belegt. Die Gemeinde war bis 1945 selbständig. 1967 wurden neue Flutgraben gebaut. 1935 wurde unsere Kirche innen und aussen neu hergerichtet. Im Kriege mussten 2 Glocken abgeliefert werden. Die grosse Glocke kam nicht wieder.

Das Kirchendach wurde nach dem Kriege wieder reparaturbedürftig, bis es dann endlich so weit war. Eine Sammlung im Orte erbrachte 8000 Mark. Einen grossen Teil spendete die Familie Graul. Auch Kabitzsch und Beyer spendeten je 1000 Mark. Der Besitzer in Nr. 12, Herbert Graul, hat auch um die Wiederherstellung des Turmes keine Mühe gescheut.

Beim Abheben der Wetterfahne wurde in der grossen kupfernen Kugel eine Niederschrift vom Bau 1892 gefunden. Vom Erbauer des Turmes, Herrn Fabrikant Karl Krause aus Leipzig, welcher aus Liemehna stammt und seine Gattin von hier aus Nr. 5 eine geborene Polter. Von der Familie Polter sei noch erwähnenswert, dass von 1953 an ein Nachkömmling, Inge Schwarze als Tochter des jetzigen Besitzers Schwarze früher Polter, als 12 jähriges Mädchen sechzehn Jahre lang bis 1969, dem Jahr ihrer Verheiratung als Frau Jähnig als Organistin und Leiterin des Kirchenchors Hohenheida + Gottscheina alle Sonntage treu ihren Dienst getan hat.

Kirchenvorstände sind z. Zt.

  • Herbert Graul

  • Arno Güstel in Nr. 9

  • Paul Schwarze

  • Paul Wilhelm

Die erste Gaststätte (Schenke) war im Garten von Gut Nr. 7 an der Gartengrenze von Gut Nr. 6 (später der Hühnerstall von Nr. 7). Der Zugang war die Schlippe zwischen Nr. 6 + Nr. 7. Ein Tanzboden war im Gut Nr.11 (in der Ecke) über dem Pferdestall.